Kartoffel in Hand

Kartoffel – Unterschätztes Hausmittel

Aus der Kartoffel lassen sich vom Magenmittel bis hin zur schmerzstillenden Auflagen gleich mehrere Hausmittel herstellen.

STECKBRIEF – KARTOFFEL

Verwendete Arten

Kartoffel (Solanum tuberosum L.)

Verwendete Pflanzenteile

Knolle

Sammelzeitpunkt

Die Knolle wird im Herbst geerntet

Wirkstoffe

Peptide, Polysaccharide

Wirkeigenschaften

neutralisierend auf die Magensäure (Kartoffelsaft), hautberuhigend (Kartoffelstärke), schmerzstillend (rohe Kartoffelscheiben), antibakteriell (Heliobacter pylori)

Wirkmechanismus

Kartoffelsaft besitzt die interessante Eigenschaft, dass die Magensäure reduziert werden kann. Für die Wirkung werden vor allem die in der Kartoffel enthaltenen Peptide und diverse Zuckerbestandteile verantwortlich gemacht. Ein Teil der Wirkung erklärt sich auch durch den an sich bereits basischen Kartoffelsaft. Denn als natürlicher Puffer reduziert dieser die Magensäure.

Sinnvolle Anwendungen

  • Der Saft aus der frischen Kartoffel innerlich bei Sodbrennen, Magenkrämpfen und Gastritis.

Weitere Anwendungen aus der Volksmedizin

  • Gekochte Kartoffeln als warmer Breiumschlag äußerlich bei Muskel- und Gelenkschmerzen, vor allem im Schulter- (Hexenschuss), Rücken- und Kniebereich.
  • Frische Kartoffelscheiben als Umschlag auf die Schläfen bei Kopfschmerzen.
  • Die Kartoffelstärke äußerlich als Badezusatz bei Psoriasis oder trockener Haut.

Tagesdosierung

Kartoffelsaft: Frisch zubereitet am besten nüchtern in der Früh trinken.
Kartoffelbad bei Psoriasis: Man nimmt ½ kg Kartoffelstärke (oft irrtümlich als Kartoffelmehl bezeichnet) und rührt dies mit etwas kaltem Wasser zu einer homogenen Mischung. Diese gibt man in die mit warmen Wasser gefüllte Badewanne. Man badet nun ca. 20 Minuten darin, anschließend schmiert man sich mit einem rückfettenden Mandelöl (früher Schweineschmalz) ein und ruht. Das Bad sollte 2- bis 3-mal wöchentlich durchgeführt werden.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Risiken der Kartoffel sind die enthaltenen Alkaloide (v.a. Solanin und Chaconin). In der Kartoffelknolle sind die Alkaloide sehr ungleichmäßig verteilt. Am höchsten sind diese in und gleich unterhalb der Schale und an den Keimstellen. Auch grün verfärbte Kartoffel sind ein Zeichen erhöhter Alkaloidwerte. Grüne Stellen sollten deshalb großzügig weggeschnitten werden. Kartoffeln mit mehreren grünen Stellen sollten jedenfalls nicht verzehrt werden. Das selbe gilt für bereits ausgekeimte Kartoffeln, sowie alte vertrocknete Kartoffeln. Die Alkaloide werden nämlich beim Kochen oder braten nicht zerstört, sie sind lediglich wasserlöslich und werden nur zum Teil mit dem Kochwasser weggeschüttet.

Kann man sich mit Kartoffeln vergiften?

Die in hohen Mengen giftigen Alkaloide der Kartoffel sind in allen Pflanzenteilen in sehr unterschiedlichen Mengen enthalten. Man findet sie vor allem in den oberirdischen Trieben und in den Keimen.
Als akut toxisch gilt dabei eine Dosis von 2 bis 5 mg Alkaloiden pro kg Körpergewicht, die minimale tödliche Dosis liegt bei 3 bis 6 mg Alkaloiden pro kg Körpergewicht. Ein Erwachsener mit 70 kg Körpergewicht muss daher ab 140 mg Kartoffel-Alkaloiden mit Vergiftungserscheinungen rechnen.
In der Schale von vorschriftsmäßig gelagerten und geschälten Kartoffeln (moderner Sorten) liegt dieser Wert unter 7 mg/100 g. Diese sind daher völlig unbedenklich. In den letzten 50 Jahren kam es laut Deutschem Bundesinstitut für Risikobewertung zumindest in Deutschland deshalb auch zu keinen Todesfällen. Werden geschälte Kartoffeln allerdings nicht rasch verarbeitet, kann der Alkaloidgehalt im Licht gelagerter und bereits grüner Kartoffeln auf 55 mg pro 100 g Frischpflanze ansteigen. Dies kann dann tatsächlich zu Vergiftungssymptomen führen.

Anwendung bei Kindern

Aufgrund fehlender Daten zu Sicherheit lässt sich derzeit die Anwendungen des Kartoffelsaftes bei Kindern nicht empfehlen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Aufgrund des bei falscher Handhabung erhöhten Alkaloidgehaltes sollte man gerade bei der Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit auf industrielle Kartoffelsaftprodukte zurückgreifen. Hierzu wird in pharmazeutischen Fertigpräparaten darauf geachtet, dass die Gehalte von Solanin und Chaconin unter dem Grenzwert von 10 mg/100 ml liegen. Konsumieren sollte man diese nur wenn dezidiert die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit erlaubt ist. Selbstgemachte Kartoffelsäfte können dagegen Schwangeren und Stillenden nicht empfohlen werden.

Kartoffelsaft selbstgemacht

Aus Kartoffeln lässt sich sehr schnell ein Heilmittel gegen Sodbrennen herstellen. Man presst dafür lediglich den Saft aus zwei frischen mittelgroßen Kartoffeln aus. Dieser Saft muss allerdings sofort nach der Zubereitung – am besten morgens vor dem Frühstück – getrunken werden. Für einen besseren Geschmack gibt man etwas warmes Wasser oder Karottensaft dazu.

Kartoffel Kartoffelsaft Sodbrennen

Stand der wissenschaftlichen Forschung

Die Kartoffel wurde noch von keiner Fachgesellschaft (HMPC, ESCOP, Kommission E) bearbeitet, deshalb gibt es noch keine offiziellen Empfehlungen und Monographien. Das ist insofern verwunderlich, als dass Kartoffeln weltweit verwendet werden und es auch mehrere klinische Studien gibt. So zeigt eine Studie aus dem Jahr 2016, dass die in der Kartoffel enthaltenen Zuckerbestandteile die Magensäure reduzieren, Magengeschwüre bessern und es dem Körper erleichtern die Magenschleimhaut wiederherzustellen. Gleichzeitig zeigte sich, dass dabei auch Heliobacter pylori, ein Keim der häufig mit Magenschleimhautentzündungen in Verbindung gebracht wird gehemmt wurde.
Auch eine kleine Pilotstudie aus dem Jahre 2006 an der 44 Patienten teilnahmen kam nach einer 1-wöchigen Einnahme von täglich 2-mal 100 ml Kartoffelsaft zu ähnlich positiven Ergebnissen. Die Anwendung bei Hauterkrankungen, Kopfschmerzen und als Auflage bei Schmerzen basiert bisher allerdings lediglich auf Erfahrungen der Volksmedizin.

Kurioses: In der europäischen Heilkunde war Sebastian Kneipp (1821 – 1897) einer der ersten, der über die günstigen therapeutischen Effekte der Kartoffel berichtete. Er propagierte die Kartoffel beispielsweise als mögliche Breiauflage in Form eines Wickels bei entzündlichen Erkrankungen. Hierzu sollten die Kartoffeln samt Schale gekocht, in ein Säckchen gefüllt und anschließend zerquetscht werden. Dieses Säckchen wird warm auf die betroffene Stelle gelegt, ein Zwischentuch darüber gelegt und mit einer Wolldecke umschlossen.

Autor: Arnold Achmüller, erstellt am 4. April 2020 (zuletzt aktualisiert am 14. Mai 2020)

Quellen und weiterführende Literatur:
Gastro protective and H(+), K(+)-ATPase/H. pylori inhibitory properties of pectic polysaccharides from potato
Efficacy and tolerability of potato juice in dyspeptic patients: a pilot study.
Roth, Hermann J. (2008): Amylum solani oder das Schicksal der Kartoffelstärke. In: Deutsche Apothekerzeitung, Nr. 30, S. 70.
Solanin in Kartoffeln (Bundesinstitut für Risikobewertung)

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