Leinsamen - natürliches und mild wirksames Abführmittel

Leinsamen – Natürliches und mild wirksames Abführmittel

Leinsamen sind ein natürliches und mild wirksames Abführmittel. Anders als bei anderen Abführmitteln gibt es keinen Gewöhnungseffekt.

STECKBRIEF – LEINSAMEN

Verwendete Arten

Leinsamen (Linum usitatissimum L.)

Verwendete Pflanzenteile

Samen

Sammelzeitpunkt

Die Samen werden im Herbst gesammelt

Wirkstoffe

Schleimstoffe, Leinöl

Wirkeigenschaften

Stuhlerweichend und reizlindernd (innerlich eingenommen)

Wirkmechanismus

In den Schalen der Leinsamen befinden sich Schleimstoffe, die in Verbindung mit Wasser aufquellen. Geschieht dies im Darm, wird das Volumen im Darm vergrößert, die Darmwand gedehnt und dadurch die Darmtätigkeit angeregt. Die ebenfalls enthaltenen Öle erleichtern zusätzlich die Gleitfähigkeit der Stuhlmasse. Leinsamen führen dadurch nicht wie andere drastischere Abführmittel zu Durchfall, sondern lediglich zu einem weichen Stuhl.

Sinnvolle Anwendungen

  • Die ganzen oder geschroteten Leinsamen innerlich als mildes Abführmittel.

Weitere Anwendungen aus der Volksmedizin

  • Gekochte Leinsamen als Umschlag warm auf Furunkel und Abszesse.
  • Die ganzen oder geschroteten Leinsamen innerlich bei Sodbrennen und Magenschleimhautentzündung.

Anwendung von Leinsamen als natürliches und mild wirksames Abführmittel

2-3x täglich ein bis zwei Esslöffel (10 bis 15 g) unzerkleinerter Leinsamen mit einem Glas Wasser. Am Besten nimmt man diese zwischen den Mahlzeiten ein. Der Wirkeintritt erfolgt nach zwei bis drei Tagen. Eine sehr einfache Möglichkeit bieten auch die bereits geschroteten Leinsamen, die man in weiche Speisen einarbeiten kann. Wegen des Leinöls das in diesem Fall sehr schnell ranzig wird, sollte Leinsamenschrott jede Woche erneuert werden.

Risiken und Nebenwirkungen

Leinsamen können über einen längeren Zeitraum eingenommen werden und sind im Rahmen der empfohlenen Tagesdosis sehr gut verträglich. In seltenen Fällen kann die Einnahme zu Blähungen führen, in diesem Fall kann man auf die sehr ähnlich wirksamen Flohsamen ausweichen.

Wie gefährlich ist die in den Leinsamen enthaltene Blausäure?

Leinsamen enthalten sogenannte cyanogene Glykoside aus denen – ähnlich wie aus Bittermandel oder Aprikosenkernen – Blausäure freigesetzt werden kann. Blausäure kann in hohen Mengen zu einer sogenannten Blausäurevergiftung führen. Da cyanogene Glykoside in mehreren Pflanzen vorkommen und wir immer wieder kleinen Mengen dieser Verbindungen ausgesetzt sind, können wir diese in herkömmlichen Mengen im Körper abbauen und damit unschädlich machen. Nur in hohen Mengen stellen diese Verbindungen ein Problem für unsere Gesundheit dar. Sowohl die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und das deutsche Bundesamt für Risikobewertung, als auch die WHO kamen in ihrer Risikoanalyse zum Schluss, dass Leinsamen in herkömmlichen Dosierungen sicher sind.

Anwendung bei Kindern

Aufgrund fehlender Daten zu Sicherheit lässt sich derzeit die Anwendungen von Leinsamen bei Kindern unter 12 Jahren nicht empfehlen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Leider gibt es noch keine ausreichenden Daten zur Sicherheit, weshalb die Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen werden kann.

Leinsamenwickel bei Abszessen

Feucht-heiße Leinsamen werden in der europäischen Volksmedizin auch als Umschlag bei Furunkeln und Abszessen verwendet. Hierzu werden diese in einem Säckchen 1 Minute im kochenden Wasser gekocht, abkühlen gelassen, mit einem weiteren Stück Stoff umwickelt und noch warm ca. 10 Minuten auf die betroffene Stelle aufgelegt (Vorsicht: Verbrennungsgefahr).

Leinsamen mildes Abführmittel

Stand der wissenschaftlichen Forschung

Leinsamen gelten sowohl was die Wirkstoffe als auch den Wirkmechanismus betrifft als gut erforscht. Der Assessmentreport des HMPC (Heilpflanzenausschuss der Europäische Arzneimittelbehörde) listet mehr als drei Dutzend Studien auf. Neben der Wirkung als Abführmittel, gibt es auch positiv abgeschlossene Studien zur Wirkung bei erhöhten Blutfettwerten, Kreislauferkrankungen und zu östrogenen Wirkungen.

Kurioses: Der antike Arzt Dioskurides (ca. 40 bis 90 n. Chr.) hatte Lein als einer der Ersten als Heilmittel beschrieben. Er nannte diesen ein hilfreiches Magenmittel, beschrieb diesen aber interessanterweise auch als Aphrodisiakum.

Autor: Arnold Achmüller, erstellt am 27. August 2021

Quellen und weiterführende Literatur:

Risikoeinschätzung der AGES zum Blausäuregehalt in Leinsamen

Risikoeinschätzung des BfR zum Blausäuregehalt in Leinsamen

Assessmentreport der EMA (HMPC) zu den Leinsamen (Studien zur Wirksamkeit plus Risikoabschätzung)

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