Rosskastanie

Rosskastanie – Hilft bei müden und schmerzenden Beinen

Die Samen der Rosskastanie helfen gegen müde und schmerzende Beine. Ob als Einreibung oder als Kapsel bringen diese schnell Erleichterung.

STECKBRIEF – ROSSKASTANIE

Verwendete Arten

(Gemeine) Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L.)

Verwendete Pflanzenteile

Samen

Sammelzeitpunkt

Die reifen Samen werden im September und Oktober gesammelt

Wirkstoffe

Triterpensaponine (v.a. Aescin), Flavonoide

Wirkeigenschaften

entzündungshemmend, antiödematös, gefäßabdichtend, venentonisierend

Wirkmechanismus

Durch die gefäßabdichtenden, antiödematösen und venentonisierenden Wirkungen, die vor allem auf dem enthaltenen Aescin beruhen, kommt es zu einer Verbesserung des venösen Rückstromes zum Herzen. Schwellungen, Brennen und Schmerzen in den Beinen nehmen ab. Venenprobleme werden gebessert. Auch Hämatome (blaue Flecken), Prellungen und Verstauchungen werden durch diese Effekte, einschließlich einer entzündungshemmenden Komponente gebessert.

Rosskastanie

Sinnvolle Anwendungen (laut ESCOP und HMPC)

  • Die Rosskastanien in Form eines wässrig-alkohlischen Auszuges als Einreibung bei Prellungen und Verstauchungen, sowie gegen Venenprobleme wie Krampfadern, schwere Beine, nächtliche Wadenkrämpfe und beginnende venöse Insuffizienz
  • Die Samen in Form eines Extraktes (Aescin) in Form von Kapseln/Tabletten sowie Tropfen innerlich bei beginnender venöser Insuffizienz

Weitere Anwendungen aus der Volksmedizin

  • Die Rosskastanien als wässrig-alkohlischer Auszug äußerlich als Einreibung bei rheumatischen Schmerzen, Muskelkrämpfen sowie Muskelschmerzen.
  • Die Samen als wässrig-alkohlischer Auszug äußerlich als Einreibung bei Schwindel und Kreislaufbeschwerden

Tagesdosierung

Die mittlere Tagesdosierung für Erwachsene liegt bei 100 mg Aescin (innerlich in Form eines Extraktes). Äußerliche Zubereitungen wie Einreibungen und Gele können dagegen 2 bis 3x täglich auftragen.

Risiken und Nebenwirkung

Die Rosskastanie enthält Saponine welche den Magen reizen. Deshalb kann diese nur in Form speziell verarbeiteter Präparate einnehmen. In Form dieser Präparate kann es in seltenen Fällen zu Juckreiz, Kopfschmerzen, Übelkeit sowie Verdauungsbeschwerden kommen. Da die äußerliche Applikation in seltenen Fällen zu allergischen Reaktionen führen kann, sollten Rosskastanienzubereitungen nur auf intakter Haut aufgetragen werden. Venenprobleme dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden, da sich diese oftmals fortlaufend verschlimmern und letztlich zu schwerheilenden Wunden wie einem offenen Bein führen können. Deshalb sollte man Venenprobleme frühzeitig auch ärztlich abklären und die Therapie ärztlich begleiten lassen. Bei plötzlichen Schwellungen, Schmerzen, verhärteten Stellen, sowie bei Herz- oder Niereninsuffizienz muss man dies unbedingt ärztlich abklären lassen.

Anwendung bei Kindern

Da Kinder normalerweise nicht unter Venenproblemen leiden, ist die innerlich Anwendung bei Kindern ohnehin nicht relevant. Äußerliche Zubereitungen können sowohl als Einreibung oder als Gele bei Prellungen und Verstauchungen bei Kindern auf intakter Haut verwendet werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Aufgrund der enthaltenen Saponine wird von einer innerlichen Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit abgeraten.

Wie bereitet man eine Tinktur

Bereitet man aus Rosskastanien eine Tinktur, sollte diese im Verhältnis 1 zu 5 (also 1 Teil Rosskastanie und 5 Teile 40% Alkohol) angesetzt werden.

Klinische Studien die die Wirkung belegen

Dass Rosskastanie müde und schmerzende Beine bessert beweisen auch mehrere Studien. Die Cochrane Collaboration führte bereits 2002 einen systematischen Review zur Anwendung der Rosskastaniensamen durch. Dieser wurde mehrmals aktualisiert, zuletzt durch Pittler und Ernst (2012). Im aktuellen Cochrane Review wurden 17 Studien mit insgesamt 1443 Patienten zusammengefasst. In diesen Studien wurden Rosskastanienextrakte mit Placebo und anderen Standardtherapien bei Patienten mit chronisch venöser Insuffizienz (CVI) verglichen. Dabei zeigte sich in allen Studien eine Verbesserung der im Zusammenhang mit der CVI stehenden Symptome, wie Schmerzen, Ödeme und Juckreiz. Zudem waren die Präparate gut verträglich.(1)

Die Wirksamkeit und gute Verträglichkeit bewies sich auch in einer Metaanalyse von Siebert et al. (2002), die auch drei Beobachtungsstudien mit 10725 Patienten inkludierte.(2) In einer Metaanalyse von Tiffany et al. (2002) zeigte sich für Rosskastanienextrakt überdies die Gleichwertigkeit der Behandlungsergebnisse im Vergleich zu Kompressionsstrümpfen und oral einzunehmendem Oxerutin.(3)

Kurioses: Die Rosskastanie stammt ursprünglich aus dem Balkan und kam wahrscheinlich durch die Osmanen im 16./17. Jahrhundert nach Europa. Hier galt die Rosskastanie als schattenspendender Parkbaum und wurde deshalb in Biergärten gepflanzt. Von dort breitete er sich rasch in die umgebenden Wälder aus.

Autor: Arnold Achmüller, erstellt am 12. Jänner 2020 (zuletzt aktualisiert am 12. September 2020)

Quelle: Assessmentreport der EMA (Europäische Arzneimittelagentur)
(1)Pittler M.H, Ernst E.: Horse Chestnut Seed Extract for Chronic Venous Insufficiency. Cochrane Database Syst Rev. 2012 Nov 14;11(11):CD003230.
(2)Siebert et al.: Efficacy, Routine Effectiveness, and Safety of Horsechestnut Seed Extract in the Treatment of Chronic Venous Insufficiency. A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials and Large Observational Studies. Int Angiol. 2002 Dec; 21(4):305-15.
(3)Tiffany et al.: Horse chestnut: a multidisciplinary clinical review. J Herb Pharmacother. 2002; 2 (1):71-85.

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