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Was ist die ESCOP, HMPC und die Kommission E?

Das wissenschaftliche Material zu Heilpflanzen ist sehr unterschiedlich. Es gibt gut untersuchte und durch gute Studien belegte Anwendungen und es gibt Behauptungen die sich lediglich auf zweifelhafte Quellen beziehen.
Um hier eine Hilfestellung zu geben, verfassen verschiedene Institutionen Monographien. In den Monographien der ESCOP, HMPC und der Kommission E werden alle Informationen zu Studien, Tagesdosierung sowie Nebenwirkungen zusammengefasst.

Die Kommission E

In Deutschland tagte zu diesem Zweck zwischen 1978 und 1994 die Kommission E. Dies war ein Fachausschuss im Auftrag des damaligen Bundesgesundheitsamtes. Je nach Nutzen und Risiken von pflanzlichen Arzneimitteln erstellte diese Kommission eine positive oder negative Monographie. Eine positive Monographie (z.B. Thymian bei Husten) bedeutete, dass eine Anwendung in den jeweiligen beschriebenen Anwendungsfeldern plausibel und sinnvoll ist. Eine negative Monographie (z.B. Heidelbeerblätter gegen Diabetes) bedeutete, dass bei den vorliegenden Daten der Nutzen einem möglichen Risiko (Heidelbeerblätter können z.B. bei längerem Gebrauch zu Vergiftungserscheinungen führen) unterlegen war. Da die Monographien der Kommission ab 1994 nicht mehr aktualisiert wurden und dementsprechend keine neueren Untersuchungen mehr enthalten, gelten diese heute als überholt.
Seit 1994 wird die Beurteilung von Heilpflanzen hierzulande auf europäischer Ebene geregelt. Hierzu gibt es die European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) und den Heilpflanzenausschuss der europäischen Arzneimittelbehörde, das sogenannte Committee of Herbal Medicinal Products (HMPC).

Die ESCOP

Die ESCOP wurde 1989 in Köln gegründet und hat das Ziel die Beurteilung von Heilpflanzen (auch für regulatorische Schritte) in Europa zu harmonisieren. Die Mitglieder des sogenannten wissenschaftlichen Ausschusses werden aus den Universitäten und Fachgesellschaften (beispielsweise Gesellschaft für Phytotherapie, ÖGPHYT, BHMA etc.) der teilnehmenden Ländern rekrutiert. Neben Ländern der europäischen Union, sind in der ESCOP auch Wissenschaftler aus Nicht-EU Ländern wie beispielsweise aus der Türkei vertreten. In regelmäßigen Treffen erstellt das Gremium aus den tagenden Mitgliedern Monographien in denen das vorhandene wissenschaftliche Material zu Vorschlägen zusammengefasst wird. Anfangs sind ca. 100 dieser Monographien in zwei Büchern publiziert worden (2003 und 2009). Neu hinzugekommene und aktualisierte Monographien werden jetzt online publiziert und können dort gegen Bezahlung eingesehen werden.

Das HMPC

Das HMPC ist im Gegensatz zur ESCOP eine behördliche Vereinigung und auf europäischer Ebene für die Beurteilung von Zulassungen pflanzlicher Arzneimittel zuständig. Aus dieser Verantwortung heraus ist das HMPC noch viel mehr an wissenschaftlichen Daten gebunden als die ESCOP. Deshalb ist diese bei fehlenden Daten auch zurückhaltender als die ESCOP. Das erklärt auch weshalb das HMPC beispielsweise bei der Frage, ab wann Heilpflanzen bei Kindern angewandt werden dürfen, teilweise sehr viel restriktiver entscheidet. Das HMPC erstellt ähnlich wie die ESCOP detaillierte Aufstellungen der vorhandenen wissenschaftlichen Daten einschließlich Wirkmechanismen, Risiken und empfohlene Anwendungen.
Die Monographien des HMPC sind online kostenlos zugänglich und für jedermann einsehbar.

Auf internationaler Ebene gibt es auch noch die Monographien der Weltgesundheitorganisation (WHO). Diese bieten ebenfalls wichtige Informationen und Quellen. Sie sind ebenfalls kostenlos.

Autor: Arnold Achmüller, erstellt am 3. März 2020 (zuletzt aktualisiert am 24. April 2020)

Quellen und Links:
Monographien der ESCOP (kostenpflichtig):https://escop.com/
Monographien des HMPC (kostenlos) hier
Monographien der WHO (kostenlos) hier


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