Hamamelis

Die ursprünglich in Nordamerika heimische Hamamelis (Virginianische Zaubernuss) ist wegen ihrer frühen Blüte im Jänner ein richtiger Hingucker und auch in Europa längst ein beliebter Gartenstrauch. Was viele allerdings nicht wissen: Hamamelis ist auch ein richtig gutes Heilmittel bei Hautproblemen.

KURZPORTRAIT – HAMAMELIS

Verwendete Arten

Hamamelis (auch Zauberstrauch oder Zaubernuss) (Hamamelis virginiana L.)

Verwendete Pflanzenteile

Rinde und Blätter

Sammelzeitpunkt

Die Rinde von jungen Hamameliszweigen wird im Frühling oder Herbst gesammelt, die Blätter im Herbst.

Wirkstoffe

Gerbstoffe (die Blätter enthalten bis zu 10 %, die Rinde bis zu 12 %) sowie ätherisches Öl und Flavonoide

Wirkeigenschaften

hautabdichtend, juckreizstillend, entzündungshemmend, venentonisierend

Wirkmechanismus

Für die angeführten Wirkungen sind allen voran die Gerbstoffe verantwortlich. Diese reagieren mit den Proteinen in der Haut und machen diese unempfindlicher gegenüber äußeren Reizen. Besonders bei oberflächlichen Reizungen, leichtem Juckreiz, Hämorrhoiden und akuten feuchten Ekzemen kann dies sehr hilfreich sein. Außerdem wirkt Hamamelis entzündungshemmend auf Entzündungen in der Haut. Ekzeme und allergische Reaktionen klingen dadurch leichter ab. Hamamelis kräftigt zudem das venöse System, wodurch Krampfadern, schwere Beine und leichte Venenentzündungen gelindert werden können.

Wissenschaftlich belegte Anwendungen (laut HMPC und ESCOP):

Die Rinde oder Blätter äußerlich als Abkochung, Tinktur oder Hamameliswasser als Umschlag oder Waschung bei entzündlichen Hauterkrankungen wie dem akuten Ekzem, bei Juckreiz, leichter Venenentzündung oder als Sitzbad bei Hämorrhoiden.

Die Blätter oder Rinde innerlich als Abkochung oder Tinktur als Mundspülung bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum.

Die Blätter innerlich als Abkochung kurzfristig bei leichten Durchfallerkrankungen.

Weitere Anwendungen aus der Volksmedizin:

Das Hamameliswasser äußerlich nach der Rasur als hautberuhigendes Gesichtswasser.

Tagesdosierung:
Die Anwendung erfolgt hauptsächlich als Sitzbad oder als Umschlag sowie als Spüllösung im Mund- und Rachenraum. Für die Zubereitung eines wässrigen Hamamelisauszuges für die äußerliche Anwendung als Umschlag, Sitzbad oder Waschung werden 5 bis 10 g Hamamelisrinde oder -blätter mit 250 ml siedendem Wasser übergossen, kurz aufgekocht und 5 bis 10 Minuten ziehen gelassen. Für Mundspülungen werden dagegen nur 2 bis 3 g Rinde oder Blätter auf 150 ml Wasser verwendet und in gleicher Weise zubereitet.

Anwendung bei Kindern:
Auch wenn es keine Hinweise auf negative Auswirkungen von Hamamelis auf Kindern gibt, kann aufgrund fehlender Daten derzeit die Anwendung von Hamemlisblättern und Hamameliswasser bei Kindern unter 6 Jahren und Hamamelisrinde Kindern unter 12 Jahren nicht empfohlen werden.

Risiken und Nebenwirkung:
Hamamelis ist äußerlich sehr gut verträglich, lediglich bei innerlicher Anwendung – beispielsweise als Tee – können die hohen Gerbstoffmengen bei empfindlichen Personen zu Magenproblemen, Übelkeit und Erbrechen führen.

Schwangerschaft und Stillzeit: 
Aufgrund unzureichender Daten kann derzeit die innerliche Anwendung von Hamamelis während Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen werden. Die äußere kleinflächige Anwendung beispielsweise als Sitzbad kann auch in der Stillzeit erfolgen.

Anmerkungen zur Zubereitung:
Gerade im amerikanischen Raum ist das auch bei uns erhältliche Hamameliswasser (Aqua hamamelidis corticis) bei Hautrötungen und als Rasierwasser sehr populär. Die Zubereitungsvorschriften unterscheiden sich allerdings etwas. Nach dem US-amerikanischen Arzneibuch wird Hamameliswasser wie folgt zubereitet: 1 kg frisch geschnittene junge Hamameliszweige 24 Stunden in 2 Liter kaltem Wasser ansetzen, anschließend destillieren und 1700 ml des Destillats auffangen und mit 300 ml Alkohol vermischen (United States Pharmacopeia – USP).

Kurioses: Der englische Name „witch hazel“ („Hexenhasel“) wird darauf zurückgeführt, dass die Zweige der Hamamelis früher als Wünschelruten verwendet wurden (ähnlich der europäischen Hasel).

Quelle: Assessmentreport der EMA (Europäische Arzneimittelagentur)

Autor: Arnold Achmüller, erstellt am 6. Februar 2020

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